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Ich erwachte – weil ich im Schlummer den erregten Sprung eines Wildes meiner
Art vernommen hatte.
Noch blieb ich liegen, hob nur mit einer raschen Bewegung das Haupt und windete
nach allen Seiten. Doch ich fühlte keine Spur vom übeln Geruch einer
Gefahr. Meine Lichter spähten. Nichts Ungewöhnliches war zu sehen.
Freilich, die Sonnenreflexe des späten Nachmittags erschwerten mir mit
ihrem grellen, glutroten Gefunkel das klare Schauen.
Meine Sorge – die nicht Sorge war, nur kluge Vorsicht – beruhigte
sich wieder. Doch plötzlich fuhr mir ein nervöser Zuck durch das innerste
Leben. Und da war ich auch schon aufgesprungen. Mein feines Gehör hatte
vom tieferen Wald herauf ein Geraschel vernommen, das an kein Wild meiner Gattung
denken ließ. Und richtig, meine Nase sagte mir auch gleich, was da drunten
los war. Über eine Strecke von hundert festen Sprüngen, wie ich sie
in schneller Flucht zu machen pflege, witterte ich deutlich in allem Storm dieser
vielen Düfte den säuerlich dunstenden Schleicher, der aus der Waldtiefe
gegen mich heraufkam. Bei jedem Atemzug spürte ich, dass er sich hastig
näherte. Meine Erregung war wieder beschwichtigt. Der Säuerliche,
der da kam, war keine Unbequemlichkeit für mich, nur eine verächtliche
Sache. Der konnte die jungen Rehkälbchen erschrecken und die Waldhühner
fliehen machen, nicht mich. Ich sprach bei diesem Gedanken – nein Lumaaru
sagte oder dachte in seiner stummen Sprach ein Wort, von dem ich meinte, dass
es wie ‚Garil’ klänge. Dieses Wort bedeutete: ‚Ein Fuchs’.
Wenn ich es sinngemäß und treu übersetze, wird das kurze Wort
ein Satz: „Da kommt jenes Fleisch fressende und deshalb widerlich riechende
Haartier, das unter den ihm ähnlichen Tieren meines Waldes das größte
ist.“ Dieser Satz war der Name des Fuchses – und das alles sagte
Lumaaru mit fünf stummen Lauten: G, die Bewegung, mit der die Zunge den
Luftweg der Nase verschließt, bedeutete das Übelriechende, das Abstoßende,
das Widerliche; A, kein Laut, nur das Aufblähen der Nüstern beim Atemschöpfen,
war das Sinnbild des Lebens, das Zeichen für jedes lebende Geschöpf;
das R, das zwischen den Zähnen knirscht, bedeutete alles beißende
und käuende Getier, das behaart ist, auf vier Beinen läuft und seine
Jungen säugt; I, eine leichte, die Nasengänge pressende Bewegung,
wie sie die jungen, noch geschlechtsunreifen Wildkälber bei ihrem Fieplaut
machen müssen, war das Zeichen für das geschlechtlich Unentschiedene,
für ein Lebensexemplar, von dem sich vorerst mit Sicherheit nicht erwittern
lässt, ob es ein Männchen oder Weibchen ist; und das L, eine Reflexbewegung
des Staunens, bezeichnete das voll Entwickelte, das Starke, das Größte
seiner Art.
Die Einfachheit und der bilderreiche Geist der Wildsprache zwang mir ein Gefühl
der Ehrfurcht ab. Und nach dem Fortschritt, den ich da in ihrer Erforschung
gemacht hatte, glaubte ich mir auch völlig deuten zu können, warum
ich jetzt, im Körper dieses kraftvollen und schönen Tieres wohnend,
den Namen Lumaaru führte. Aar: Das behaarte, auf vier Beinen laufende Säugetier;
die Verdoppelung des Lebenslautes bedeutete ein gesteigerten Daseinswert, eine
von keinem anderen Tier erreichte Höhenklasse der Gattung – à
la Nietzsche: ein Herrentier. L: Das Zeichen meiner Kraft und meiner von keinem
zweiten Hirsch des Waldes erreichten Größe und Vollentwicklung. Das
U, an das Brummen des brünstigen Hirsches erinnernd, musste das Sprachzeichen
der gereiften Männlichkeit sein. Und bedeutete die Silbe ar das Säugetier,
so musste maar meine eigene Spezies sein, die Art der Hirsche – und das
M, ein Sprachzeichen der Hochschätzung und Zufriedenheit, war der Laut
für den Begriff der Subjektivität und des Zusammengehörens, war
das Ich und das Wir, das Mein und das Unser. So hatte ich, als ich den Namen
Lumaaru zum ersten Male sah – nicht hörte – seinen Sinn, dank
meinen neuen Augen, klar und richtig empfunden: „Der große, kraftvolle
Vater, Ich, der Herrlichste meiner Gattung, von allem behaarten und auf vier
Beinen laufenden Leben das Edelste, Ich, der sieghafte Mann, der auf Erden nicht
seines Gleichen hat!“ Das stolze Selbstgefühl dieses Nachsatzes war
– genau so wie im Lebenslaut – durch die Verdopplung ausgesprochen,
die im Namen Lumaaru dem Zeichen der Männlichkeit verliehen ist. Ich gestehe,
dass ich bei diesem Resultat meiner Wildsprachforschung einen wohltuend wirkenden
Respekt vor mir bekam – und vor den virilen Fähigkeiten, die in mir
wohnen mussten.
Und dass ich mit meiner Deutung des verdoppelten U keinem Irrtum verfallen
war, bewies mir die nächste Minute. Denn als Lumaaru den hastig heranschnürenden
Fuchs, den er lange schon gewittert hatte, nun auch gleich eine roten Flamme
im leuchtenden Grün erspähen konnte, da hieß der säuerlich
dunstende Schleier nicht mehr Garil, sondern Garul – weil Lumaaru nun
wusste, dass der Fuchs ein Rüde war. Aber es schien kein Beweis von besonderer
Kraft und Entwicklung zu sein, dass Garul nur ein einziges U und dazu das L,
das Zeichen seiner relativen Größe, an den Schwanz seines Namens
bekam. Im Namen Lumaaru standen diese beiden Zeichen allen anderen voran. Und
wahrhaftig – in menschlichen Worten ist die Verachtung nicht auszudrücken,
mit welcher Lumaaru den näher kommenden Schleicher betrachtete, der gar
nicht schleichen konnte, sondern törichtes Geräusch erregte und durchaus
nicht „trocken“ war. Auch nicht hinter den Ohren. Er troff von Wasser
am ganzen Leib und war anzusehen – die Menschen würden sagen: Wie
eine getaufte Kirchenmaus. Garul musste in der dummen Angst seiner Flucht den
Sprung über einen Bach hinüber zu kurz genommen haben und ins Wasser
gefallen sein. – In seiner dummen Angst? Ein Fuchs? Und dumm? –
Als ich noch Mensch war, nur leidlich sehen, aber weder riechen, noch hören
konnte, hielt ich den Fuchs für das klügste, listigste und schlaueste
Tier des Waldes und traute ihm in Wahrheit die vielen feinen Dinge zu, die der
schwachhörige, kurz riechende und deshalb allem Irrtum unterworfene Mensch
seit tausend Jahren und länger von ihm erzählte. Jetzt aber, mit Lumaarus
scharfen Sinnen, erkannte ich das Erbärmliche dieses Angst verdrehten,
blind rennenden und überlegungsarmen Tölpels, und deutlich sah ich
den Ausdruck der Dummheit in seinem mausigen Schnüffelgesicht. Garul war
mir schon so nahe, dass er die Wärme meines Körpers hätte fühlen
müssen: Und noch immer merkte er nichts von meiner Gegenwart, läpperte
mit der schwitzenden Zunge und rannte blind.
Da stieß ich – nein – Lumaaru tat es: Er stieß mit
Kraft den Vorderlauf zu Boden. Das klang wie ein Faustschlag auf das Fell einer
Trommel – und bedeutete: „Du! Bleib stehen und rühr dich nimmer!“
Zusammenzuckend, verhoffte Garul, wie in Stein verwandelt. Er äugte mich
an. Und was dabei in seinen Augen funkelte, war Bosheit, Gier nach meinem Fleisch,
das er sah, und galliger Ärger über seine Schwäche, die den lockenden
Braten nicht erbeuten konnte. Und je mehr er sich ärgerte, umso säuerlicher
roch er.
„Warum rennst du, Garul? Hast du etwas Übles gewittert?“,
fragte Lumaaru ruhig in seiner stummen Mienensprache.
Zwei hastige Bewegungen des Fuchskopfes. Und das hieß: „Ich habe
das Übel nicht gerochen, ich hab es gesehen.“
Lumaaru lächelte. „Dann war es keines.“
Mit grinsender Schadenfreude dachte Garul: „Du ekelhafter Fleischberg!
Du Blindauge! Du Nasenprotz! Ich wünsche dir, dass du bald recht nahe zu
riechen erhältst, was ich gesehen habe. Dann will ich kommen und fressen,
was von dir noch übrig ist!“ Er machte die Kehle lang, legte die
spitzen Ohren zurück und rannte davon, wobei er die von der Nässe
dünn gewordene Rute hoch streckte und üble Gerüche hinter sich
zurückließ.
In Verachtung sah ihm Lumaaru nach und hielt den Atem an, um Garuls boshaften
Abschiedsgruß nicht empfangen zu müssen.
Bei diesem Gespräch, das ich aus der stummen Mienenrede und dem schweigenden
Bilderdenken der Tiere frei in meine menschlichen Klänge übertrug,
hatte ich das Erstaunliche wahrgenommen, dass alle Tiere der gleichen Klasse,
so verschieden auch die Mimik ihrer Sprache scheint, einander verstehen –
das Raubtier den Wiederkäuer, der Zweihufer den Fuchs. Und Sprechen und
Denken ist bei ihnen ganz das Gleiche; drum vermögen sie keinen Gedanken
zu verheimlichen – die Tiere können nicht lügen. Was sie denken,
müssen sie für sich selbst in Zeichen sagen, in Reflexbewegungen ihres
Gesichtes und ihres Körpers, und dann sind ihre Gedanken auch für
jedes andere, ähnlich geartete Tier verständlich, das scharf und deutlich
diese leisen, feinen Zeichen gewahrt, von denen ein menschliches Auge auch bei
schärfster Beobachtung nur blasse, unzusammenhängende Spuren wahrzunehmen
vermag.
Ach, ihr schwachsinnigen Menschen! Was bildet ihr euch viel auf den „Vorrang“
eurer geistvollen Sprache ein! Ich fragte in Hamburg einmal eine Gemüsehändlerin,
wo der Hafen wäre, und die unverständliche Antwort, die ich bekam,
ließ mich vermuten, dass meine brave Stammesgenossin eine Engländerin
oder Dänin wäre. Und bin ich mit einem Berliner beisammen, und lasse
den bayerischen Schnabel nur ein bisschen so laufen, wie er mir gewachsen ist,
so frägt mein deutscher Bruder immer: „Wat haben Se jesaacht?“
Ich glaube fast, dass unsere menschliche Sprache keine „geistige Errungenschaft“
ist, sondern ein Trägheitsprodukt unserer schwachen Sinne, die keiner energischen
Leistung fähig sind und jede Anstrengung hassen. Wir Menschen wurden Philosophen
und Diplomaten, weil unsere Sprache etwas anderes ist, als unser Denken –
und wir wurden Lügner und Heuchler, nur deshalb, weil wir nicht reden können.
Wir Menschen sprechen so erbärmlich, wie wir riechen und hören. Nur
das ist der Grund der babylonischen Sprachenverwirrung. Und da wird es keine
Hilfe geben. Die Nationalitätenpest von heute ist nicht das einzige Hindernis.
Das Volapük ist verschollen, und das Esperanto ist ohne lebendige Seele.
Um eine Sprache zu erfinden, die alle Menschen der Erde zu verständnisfrohen
Geschwistern machen könnte, dazu ist die Menschheit zu unnatürlich,
zu faul, zu schwächlich, zu blind, zu taub und zu katarrhalisch. Der Weg,
den die Entwicklung unserer Sprache nahm, ist verfahren. Was wir Laute, Silben,
Worte und Sätze nennen, hat keinen lebendigen Zusammenhang mit dem Denken
und Bilderschauen, das hinter unserem Sprechen steckt. Warum heißt mein
Kopf gerade Kopf, oder head, oder tête? Will ich nicht ein bisschen den
Philologen spielen und firlefanzende Sprachvergleichung treiben, dann muss ich
sagen: Ich weiß es nicht. Warum ich aber jetzt im Leib dieses schönen,
gesunden, kraftvollen Tieres „Lumaaru“ heiße, das weiß
ich. Weil ich den Sinn dieses Namens nicht nur höre, sondern auch sehe.
Und diesen Namen des deutschen Hirsches, der ich bin, versteht auch ein italienischer
Fuchs, ein französisches Kaninchen, sogar der böhmische Löwe.
Denn die ungeschriebenen Buchstaben dieses Namens sind Bilder, Werte und Eigenschaften.
Die Sprache der Tiere redet nicht, sie zeichnet. Und ein Bilderbuch ist eine
gemeinverständliche Sache. Darüber müsste einer nachdenken, der
eine Menschheitssprache erfinden wollte. Das müsste eine Sprache sein,
die man gar nicht zu erlernen brauchte – nicht so, wie man heut eine fremde
Sprache lernt – es müsste eine Sprache sein, mit der man redet, wie
man mit den Steinen eines Baukastens ein Haus, eine Kirche, oder eine Brücke
baut. Man hätte nur ein paar hundert bildlicher Urlaute zu memorieren und
müsste sich das Gesetz erklären lassen, nach dem man sie zusammensetzt.
Dann würde jeder sofort diese Sprache sprechen, jeder ein bisschen anders,
jeder nach seiner persönlichen Art, ärmer oder reicher, je nach der
Beweglichkeit seines Geistes, nach Temperament und Phantasie, nach der Fülle
oder Magerheit seiner Gedanken – aber wie er diese Sprache auch spricht,
der andere, der sie hört, würde sie immer verstehen, ob er Engländer,
Türke oder Japaner ist.
Wenn ich jetzt plötzlich wieder Mensch würde und behielte von der
Tiersprache nur die beiden Namen Lumaaru und Garil im Gedächtnis, so könnt’
ich schon ein bisschen tierisch reden. Um ein Exempel zu versuchen – ich
denke mir ein bestimmtes Tier der Erde. Dieses Tier müsste in der Sprache
der Hirsche Laru heißen. Will ich seinen Proportionen noch den verdienten
Respekt erweisen, so verdopple ich den Laut der Größe und sage Larul
– also: Ein männliches Säugetier, ein riesenhaft großes,
von allen Tieren der Erde das größte. Nun gestehe, Menschenkind,
ob du, auch der Tiersprache fast völlig unkundig, nicht ganz genau verstehst,
welche Tier ich mit dem Namen Larul meine? Und wenn du weißt, warum der
Fuchsname mit G beginnt, mit dem Zeichen für unerquickliches Parfüm
– und dass der offene A-Laut das Bild für jede Äußerung
des Lebens ist, so wird dir das rasch gebildete Wort Galárul –
jetzt kein Name mehr, sondern ein ganzer Satz – mit aller notwendigen
Klarheit erzählen, welches übel riechende Lebensgeschäft jenes
größte Säugetier der Erde gerade erledigt. „Nun, Menschenkind?
Verstehst du? Gib mir doch Antwort! Hörst du nicht?“
Bei dieser Frage wirbelte plötzlich etwas Unerklärliches durch mein
menschliches Bewusstsein. Ich hatte ein grauenhaft ungemütliches Gefühl,
spürte was Kaltes und Nasses rings um meine Glieder, sah vor meinen Füßen
etwas rötlich Glimmendes, über meinem Haupt etwas endlos Stahlblaues,
das tausendfältig übersät war mit funkelnden Sternen, nein, mit
den schönen, lebhaft schimmernden Augen unzählbarer Hirschkälber,
die auf der Himmelsalpe weideten – und während ich dieses Unbeschreibliche
schaute, klang in weiter Ferne von mir eine Rätselstimme: „Was moanen
S’, Herr Dokter? I hear Eahna allweil reden und versteh’ net, was
S’ mer sagen! Herrgottsakra, was moanen S’? Soll i ebba die Gluat
wieder aufblasen im Schnee und Fuier machen?“ Und während diese mystische
Stimme tönte, empfand meine scharfe Wildnase eine penetrante Witterung,
die mich die Nähe eines Menschen besorgen ließ. Ich wollte seinen
Namen aussprechen, aber ich musste immer sagen: „Ga, ga, ga …“
O heiliger Himmelshirsch! Was ist denn los? Bin ich denn verrückt? Dieses
schaudervolle ga, ga, ga war doch nicht meine Stimme! Das war der aufgeregte
Schrei eines Raben, der mit jagendem Flug über die in der Abendsonne singenden
Wipfel der Bäume hinschoss. Und jetzt ein Laut, so scharf und grell, wie
das Signal einer Dampfpfeife. Und dieser Laut schrie deutlich: „Fliiiiieh!
Fliiiiieh!“ Es war die Stimme des großen Spechtes, meines guten
Freundes, meines treuen Warners. Freilich, er war ein bisschen ängstlicher
Natur und warnte manchmal ohne Überlegung. Das wissen auch die Vögel,
die seine Stimme noch besser verstehen al sich. Lärmte er heut ohne zureichenden
Grund? Denn die vielen kleinen Vögle in meiner Nähe blieben ruhig
und vergnügt. Und sie haben doch Augen, die schärfer sehen als die
meinen. Und die Vögel hören auch noch besser als ich. Wäre im
Wald, was nicht in den Wald gehört, so könnten die Bafáki (die
kleinen, lieblichen Schönlautvögelchen) nicht so vertraut und heiter
bleiben! Diese Erwägung machte mich wieder ruhig – doch nicht ganz.
Denn Lidatak (der mittelgroß Geflügelte, der seine Nahrung aus dem
Baum heraus klopft) hatte heute genauso gewarnt, wie er zu warnen pflegte, wenn
ein Gágaz im Wald war! – Gágaz? – Als Lumaaru diesen
Namen dachte, verstand ich nicht klar, welches Tier er meinte. Ich verstand
nur: Ein Kriechtier (az), ein ungeflügeltes Insekt, eine Laus, eine, die
grauenhafter stinkt als jedes andere übel riechende Ding. Welches Tier
des Bergwaldes. Alle! Und keines passt zu diesem Namen. Doch ich konnte diesem
Rätsel nicht länger nachsinnen, denn Lumaarus Gedanken gingen weiter.
Er dachte daran, dass auch Oltak (der Schwarzgeflügelte, der Vogel der
langen, leblosen Zeit) immer dieses entsetzliche ga, ga, ga – „Gestank
ist los!“ – erschallen ließ, sooft er einen Gágaz nur
von fern gewahrte. Und Garuls dumme, blinde Flucht?
Ich blähte die Nüstern auf und trank die Sprache der hundertfältigen
Düfte, die mir entgegenströmten. Alle scheid ich sie voneinander und
fand unter ihnen keinen Hauch vom Übelduft des mir Widerlichen. Und weil
ich der Herr und die Krone des Lebens, das klügste von allen Tieren bin,
traute ich meiner eigenen Weisheit mehr, als Garuls dummer Feigheit und Oltaks
lächerlicher Angst vor der stinkenden Kriechlaus.
Meine Sorge schwieg. Ich spähte zur Höhe. Da droben war noch immer
die glühende Helle. Und meine kleinen grauen Freundinnen im purpurnen Dunkle
des hohlen Baumes hingen noch in festem Schlummer. Da wird’s noch eine
Weile währen, bis Hal erscheint – die ausgewachsene, reif werdende
Zeit des Lebens – der Abend, den ich liebe.
Mich zweimal drehend, tat ich mich wieder zur Ruhe nieder. Ein paar Mal wechselte
der Strom der Düfte, die Nähe Hals verkündend; das grelle Feuer
über den Häuptern der ruhig plaudernden Bäume wurde sanfter;
doch je mehr der kühle Schatten mich erquickte, umso heißer begann
in mir die Sehnsucht nach der grünen Freude zu brennen. Geduld! Nur noch
ein Weilchen! Sei verständig, mein Näslein! Du brauchst den wachsenden
Fliegenschreck, der immer schärfer aus dem hohlen Baume dunstet, nicht
mehr lange zu ertragen! Dann werden die bösen geflügelten Stechläufe
vor der wohligen Kühle und der Schönheit Hals erschrecken und sich
verkriechen. Und meine süße Freude kommt! Und Hala wird mir ruhiges
Genießen schenken, das keine Sorge kennt – Hala, die Krone der ausgereiften
Zeit, das Leben des Lebens, die purpurne Nacht! Und wenn sie schlafen geht,
wird Haf, ihr liebliches Kindchen, lächelnd mit schönen Farben durch
die Heimat meines Lebens schreiten und mir winken, dass ich ruhen soll.
Was war das? Ich hatte mit jähem Zuck das Haupt erhoben. Doch meine Sorge
war schon wieder in Gleichmut verwandelt. Das leise, flinke Pochen, das ich
hörte, war der hurtige Trippelschritt Fimaares. Ein Jüngferlein meines
edlen Geschlechtes, halb noch ein Kindchen, halb schon ein reifendes Weib!
Zwischen den Bäumen erschien die schlanke, feine, zierliche Tiergestalt,
mit Läufen wie aus Erlenzweigen, den lieblichen Körper noch ganz umhüllt
vom Samt des grauen Winterhaars – wie ein zartes Mädelchen, das auch
zur Frühjahrszeit noch ein warmen Pelz trägt, wenn es an kühlen
Abend die Oper besucht. Ich sagte: zart? Das soll nicht bedeuten kränklich.
Denn Fimaare war ein stramm gesundes, kräftiges Dingelchen, dessen Bild
an keine Not des munter überstandenen Winters erinnerte. Das kleine Fräulein
schien nur ein bisschen aufgeregt, schien nicht recht zu wissen, wohin es wollte
– und als es mich großen Herrn gewahrte, da erschrak es, hatte eine
ratlos scheue, fast gedankenlose Frage in den milden, traumhaft keuschen Augen
– und stob davon, wie gejagt von einer unerklärlichen Angst.
Wie schön war dieses junge, jungfräuliche Tier! Alles, was in mir
noch Mensch war, ließ mich diesen Zauber des Lebens fühlen, diese
Schönheit lieben. Und dennoch war in mir dieses Wunderliche – diese
kühle Ruhe, diese Gleichgültigkeit der Sinne, diese absolute Stille
des Blutes, die ich nicht verstand. Lumaaru? Bist du es, der so kalt empfindet?
Hat junge Schönheit keinen Reiz für dich? Weckt blühende Weiblichkeit
in dir auch nicht den leisesten der Wünsche? Ist dieses Stille ein Ergebnis
deines Alters? Nein! Als Jäger weiß ich doch: Je älter ein Hirsch,
umso kraftvoller ist alles Männliche seines Lebens! Und du prahlst ja damit
in deinem Namen: Lu, und noch ein U dazu! – – Lumaaru! Unbegreiflicher!
Sollte dieses Undenkbare möglich sein: Dass du, ein Tier, an Blut und Sinnen
reinlicher bist, als wissende Menschen sind? Dass du, ein Tier, viel höher
wertest an moralischen Qualitäten als jener berühmte Josef in Ägypten
– denn dieser keusche Josef wusste doch, warum er davonlief und den Mantel
opferte? In dir aber fühl’ ich weder Wunsch noch Wissen. Sag’,
Lumaaru, wie ist dieses heilige Wunder möglich: Dass du, der Mann von hundert
Weibern und der Vater von hundert Kindern, mit jedem Frühling wieder so
rein, so blutstill und so wunschlos wirst, wie es unter Menschen nur ein unreifer
Knabe ist, der nicht weiß, was Unschuld heißt, weil er vom Gegenteil
noch keine Ahnung hat.
Beim Anblick dieser jungen, weiblichen Schönheit regte sich in Lumaaru
nur die einzige Frage: „Warum rennt sie so verdreht?“ Dann kam die
Beschwichtigung: „Na ja, so ein dummes, ungeduldiges Mädel! Hungert,
und rennt, und kann für die köstlichen Dinge des Lebens die rechte
Zeit nicht erwarten!“ Sonst dachte Lumaaru nichts. Nicht das Geringste!
Und nun sucht mir unter den jungen und alten – nein, von den alten will
ich schon gar nicht reden – sucht mir unter den jungen Menschenmännern,
die von den Süßigkeiten des Lebens schon einiges wissen, jenen heraus,
den ihr für den besten und reinlichsten haltet – und stellt ihn allein
in einen schattenstillen, von aller menschlichen Konvention entfernten Wald,
und schickt ihm da ein junges, blühendes, reizvolles Mädel einsam
entgegen! Ich will nicht bezweifeln, dass der junge wohlerzogene Mann sich völlig
honett und tadellos betragen wird … aber ich schwöre und wette doch:
Er denkt sich was! Lumaaru dachte nichts von dem, was man „dergleichen“
nennt. Er war ein Mann, ein Held von unzählbaren Schlachten der tobenden
Leidenschaft – und war doch ohne „Wissen“ und fühlte
wie ein keusches Kind. Nun sagen mir freilich die Zoologen, das wäre nicht
Tugend und Moral an ihm, nicht sein Verdienst, nicht Selbstbeherrschung und
ethische Erziehung, nur ein tyrannischer Zwang der Sparmutter Natur, die im
Leib der Hirsche nach Schluss der Paarungszeit alle Brunnen des zärtlichen
Begehrens fest verschließe und die abgelenkten Quellen zur Bildung des
neuen Geweihes verwende, so dass der Hirsch von der Stunde an, in der ihm der
verjüngte Jahresschmuck seines Hauptes zu sprossen begänne, als Mann
ein reiner Tor und gänzlich wunschlos würde. Mir leuchtete diese Weisheit
der gelehrten Herren nicht völlig ein; denn als Jäger hab’ ich
da so mancherlei Beobachtung gemacht, die dieser Hypothese widersprechen. Mit
Sicherheit weiß ich nur, dass die Sache bei den Menschenmännern gerade
umgekehrt ist. Denen sprossen die Geweihe, wenn sie vorerst kindersanft und
wunschlos wurden; zuweilen auch schon früher. Aber wie das Ding nun bei
den Hirschen auch liegen mag – ob die Reinheit ihrer Sinne das Werk ihres
gesunden willens zum Leben ist, oder eine wundersame Praktik der Natur, die
alle Werdensquellen konzentrieren und gesunde, kraftvolle Kinder bilden will
– so oder so, diese vierzig Wochen währende Keuschheit des von Kräften
und Säften strotzenden Mannes Lumaaru ist etwas Kostbares, Herrliches und
Beneidenswertes. Wäre doch das auch bei uns Menschen so! Um wie viel höher
würde unser Leben werten, wenn wir jährlich so viel Zeit und Kraft
ersparen könnten, um sie im Dienst der Menschheit nützlicher zu verwenden.
Wir könnten lange schon mit den Marsbewohnern korrespondieren, und hätten
schon alle Lebensrätsel gelöst – bis auf die letzten sieben,
die unlösbar scheinen. Was wären Kraft und Ruhe für uns! Güter
des höchsten Glückes! Und wie würden die Augen unserer Kinder
leuchten! Wie ihr Herz und ihre Wangen strotzen von gesundem Blut! Mensch, was
wärst du, wenn du keusch sein könntest wie ein Tier!
Vor Jahrmillionen, Mensch, da war es wohl auch bei dir einmal so ähnlich
eingerichtet: Drei Wochen keuscher Freiheit und eine Woche seligtrunkener Sklaverei
im Dienst der Natur. Aber dir zum Unglück entwickelten sich deine Karpfenflossen
von einst zu gefingerten Händen, mit denen du es lerntest, die Mutter Natur
ins Gesicht zu schlagen und die Gängelbande zu zerreißen, mit denen
sie dich führte. All ihre guten und gesunden Gesetze verdrehtest du für
dich ins Gegenteil – das nanntest du: Kultur – und das Große,
Ewige und Heilige der Liebe hast du verwandelt zu einer Pfeffermühle deiner
Kraft, zu einem Stundenfresser deiner Tage und Nächte, zu einer Suhle deiner
Gedanken, zu einem Lebensmord, zu scheußlicher Gewohnheit, zu einer Sache,
nicht wertvoller als der Kognak, das Senfpflaster und die Zigarette. Kein Wunder,
dass du übel riechend wurdest für die reinliche Nase eines gesunden
Tieres. Und was gewannest du? Du kannst beweisen, dass zweimal zwei nicht fünf
ist. Und kannst mit einiger Wahrscheinlichkeit behaupten, dass ein fallender
Stein der Schwerkraft folgt. Kannst Götter morden und Götter erschaffen.
Einen Himmel zertrümmern und Höllen bevölkern. Und wenn du ein
Klügster unter den Klugen bist, so kannst du den Übermenschen ersinnen
und dabei in jammervollen Briefen schreiben: „Mich quälen schreckliche
Schlaflosigkeiten, Hämorrhoiden, Darmentzündung, Magenkatarrh, Kopfschmerzen
und vieles Übergeben … von elf Tagen acht Anfallstage, fünf
davon im Bett … das steife Sitzen ist für meinen Rücken eine
unbeschreibliche Quälerei … beständiger Schmerz im Kreuz mit
einer Ausstrahlung nach der rechten Hüfte zu.“ Weh dir, dass du ein
kluger Enkel jener törichten Ahnen bist, die den Menschen „erhoben“
und die Natur erniedrigten!
Was war das? Ich sprang mit einer blitzenden Bewegung meiner Kraft vom Boden
auf – ich „alter Herr“! Ihr weißhaarigen Greise der
Menschen! Ich bin ein Greis wie ihr, der Senior unter den Hirschen meiner grünen
Welt! Versucht es doch einmal, von eurer Ofenbank oder aus eurem Klubsessel
so aufzuspringen, wie ich aus meiner Ruhe empor schnellte, als ich diese jagenden
Sprünge im Wald vernahm! Ich wusste gleich: Das war Temaare, die Mutter,
mit ihrem jährigen Fimaarju, dem schon die Höckerchen des Knabenschmuckes
zu sprossen begannen.
Das Weib erschien, mit langen Fluchten heraufjagend durch den steilen, schon
ganz von zärtlichem Schatten umwobenen Wald. Leichtfüßig sprang
das zierliche Söhnchen neben der Mutter her, die schwer an der Bürde
ihres neuen Kindes trug. Ihre Flanken pumpten, und ihr Äser klaffte im
Durst des Atems; ihr Hals war rot, schon in die Mode des warmen Frühlings
gekleidet – ihr Leib noch grau, sein Pelz zerfasert, als wären Motten
hineingekommen. Die Kontraste dieses Bildes wirkten ein bisschen komisch; und
dennoch war’s ein „stattliches Weib“, wie der Deutsche zu
sagen pflegt, eine Ehrfurcht gebietende Mutter. Und, als rechte Mutter, von
Sorge ganz verzehrt, von Kummer gepeinigt, von Ängsten gejagt! Der Blick
dieses Muttertieres, das junges Leben führte und junges Leben trug –
an welche guten, lieben Augen erinnerte mich nur dieser verstörte Blick?
Und neben dieser heißen, rasenden Sorge sprang das kleine nette Bürschlein
her, angstlos und vergnügt, weil es sein junges Leben sicher wusste im
Schutz dieses keuchenden Mutterleibes, der es geboren hatte. Leben! Wie viele
Gesichter hast du? Ich glaube: Nur ein einziges, das wahr und ewig ist –
das Muttergesicht! –
Lumaaru, der fliehenden Mutter einen Sprung entgegen machend, dachte eine
stumme Frage. Temaare verstand; und ohne die keuchende Flucht zu unterbrechen,
gab sie mit angstvoller Verzerrung der Nüstern die stumme Antwort: „Gagaz,
gagaz, sowa dal! – Die fürchterliche Stinklaus kriecht auf allen
Wegen des Waldes!“ Noch jagender wurden ihre Sprünge – und
da war sie schon verschwunden.
Lumaaru gönnte ihrem Weg keinen Blick mehr. Die Furcht dieses fliehenden
Weibes brachte ihn nicht aus seiner überlegenen Ruhe. Er stand wie aus
Erz gegossen, lauschte mit vorgelegten Lusern gegen die Tiefe des Waldes, spähte
und windete. Und dachte nur an sich selbst, wollte sich hüten vor jeder
Gefahr, sich jeden Ekel ersparen, und dennoch sein Wohlbefinden mit keinem Sprung
bezahlen, der überflüssig und töricht war. Was kümmerte
ihn der Weg dieser von Angst gepeitschten Mutter!
„Lumaaru? Kennst du denn dieses Weib nicht? Und kennst du nicht dieses
Kind?“
Er gab keine Antwort – weil er die Frage gar nicht hörte, die mein
menschliches Empfinden in ihm schrie. Doch ich fühlte das mit seinen Sinnen:
Dass er diese Mutter kannte, und dass er wohlbegründete Ursach’ hatte,
sich als Vater dieses jungen Blutes zu betrachten. Und dennoch rührte sich
in ihm kein Schimmer von jenem köstlichen Empfinden, das wir Menschen die
Vaterliebe und die Gattensorge nennen.
Lumaaru! Unbegreiflicher! Seit ich in dir wohne, missfällst du mir zum
ersten Mal! Du Mann der Männer! Sieh dieses Weib! Das mit seinem Leib dir
süße, trunkene Freude gab, schon fünf Mal in der rauschseligen
Rotzeit, in jedem Herbst drei schöne Nächte lang! Und nicht nur Liebe
gab sie dir – sie sorgte sich um dein Wohl und bewachte die Sicherheit
deines Lebens, während du blind und trunken vor Leidenschaft warst und
in deiner Wonne brülltest, um alle Jäger der Welt herbei zu gröhlen!
Hast du das alles vergessen? Und ist in dir nicht die leiseste Regung von Dankbarkeit?
Du, der Kluge, der Erfahrene – fühlst du es nicht als deine Pflicht,
jetzt Gutes mit Gutem zu vergelten, dieses fliehende Weib zu schützen,
seine Wege zu leiten? Doch nein – ich vergesse, ich tue dir unrecht, du
bist kein Schuldiger! Du bist in der Zeit, in der die Sprossen deines Geweihes
wachsen. Da bist du der reine Tor, das Ideal der Keuschheit – da kannst
du gar nicht fühlen, dass dieses fliehende Geschöpft ein Weib ist,
und dass es dein eigenes Weib gewesen. Alle zärtliche Sorge ist eine Schwester
neuer Wünsche. Du aber darfst nicht wünschen. Drum musst du sorglos
sein, gleichgültig, fremd und kalt. So will es die Natur – sagen
die Zoologen. Und wenn du Liebe genossest, bist du durch ein Naturgesetz verpflichtet,
den Dichter des „Handschuh“ zu korrigieren und zu sagen:
„Den Dank, Dame, begehre nicht!“ Wenn die Natur das so für
richtig hält – um Schöpferkräfte zu sparen, Schöpferkräfte
durch Konzentration zu steigern – dann ist, was Treue heißt, eine
ungesunde Erfindung der von den Brüsten der Natur entwöhnten Menschen,
und was wir Ehe nennen – jene ehrwürdige Institution, in der sich
alles Konzentrierte durch gewohnheitsmäßige Abnutzung vertrödelt
und verdünnt – ist ein widernatürliches Verbrechen gegen den
zielbewussten Willen der Ewigkeit.
Was schmerzt mich in tiefster Seele? Dass ich denken muss, was mir wider die
menschliche Art und Gewohnheit geht? Und dass ich dennoch an der Klugheit der
Natur nicht zweifeln kann? Doch da dämmert in mir ein tröstender Gedanke.
Natur! Wenn du aus wohlerwogenen, seit Jahrbillionen erprobten Gründen
die Treue nicht willst, so willst du unentwegt doch immer dieses eine: Das Kind!
Die neue Blüte des Lebens! Des Lebens Ewigkeit! Und willst du das Kind
erhalten, so musst du wollen, dass das Leben des Kindes geschützt wird.
Wer aber wäre des Kindes bester Beschützer, wenn nicht der kluge,
starke, lebenserfahrene Vater? Oder bist du anderer Meinung, Natur? Denn die
Väter deiner Tierkinder kennen die Vaterliebe nicht – oder nur in
einem schwächlichen Abklatsch von dem, was Vaterliebe bei den Menschen
heißt. Natur! Ist dieses menschliche Süße gegen deinen Willen?
Sagst du in deiner ewigen Weisheit: „Ich brauche den Vater nur für
drei Sekunden, für alles Weitere ist er überflüssig, denn besser
als der stärkste Vater schützt mir die schwächste Mutter mein
Kind. Und wenn du glaubst, du gedankenkrankes Menschlein, ich hätte mich
in der Bildung meiner tierischen Väter vergriffen und geirrt, so betrachtete
die Mütter meines ewigen, unendlichen Reiches. Sie alle tragen das gleiche
Gesicht des Herzens, sie alle sind ähnliche Schwestern in den Kräften
ihrer Liebe, ihres Opferwillens, ihrer Zärtlichkeit, ihres Selbstvergessens
und ihrer ruhelosen Sorge – die Mutter Raffaels, wie die Mutter einer
Wanze. Das Erzeugen ist ein Spiel, eine Sache, die sich ohne Mühe findet.
Erschaffen und ernste Lebensarbeit ist nur das Gebären. Und Mutter werden
ist Vernichtung.“ Sprichst du so, Natur?
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